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Einfach wie zuhause im Maranatha

Lebenswege – Lilo Euskirchen

SeniorenZentrum Maranatha Lebenswege – Lilo Euskirchen

Ich bin Lilo Euskirchen, Jahrgang 1933 und lebe seit dreieinhalb Jahren im Maranatha. Geboren wurde ich in Pommern, wo ich als unehelicher Säugling von einem Ehepaar aufgenommen wurde. Welch ein Glück, waren es doch liebe Menschen, die mir eine unbeschwerte Kindheit ermöglichten. Die Familie Lebenswege vergrößerte sich dann noch um eine Tochter und einen Sohn.

Vom Krieg bekamen wir nichts direkt mit, es kamen sogar ausgebombte Städter aus Berlin und dem Ruhrgebiet, die sich bei uns niederließen. Allerdings schlossen auch bei uns jüdische Geschäfte oder Nachbarn verschwanden über Nacht. Uns Kindern wurde gesagt, „sie seien auf Reisen gegangen“. Mein Vater war als Schreiner unabkömmlich eingestuft, wurde allerdings 1944 noch eingezogen. Als die Ostfront näher rückte, verließ Mutti mit uns Kindern Schneidemühl Richtung Westen. Wir wurden von der Front eingeholt, Mutti musste auf Gut Billerbeck in der Küche für den Feind arbeiten. Für uns Kinder war das Landleben dort das Paradies! Wir hatten genug zu essen, konnten frei spielen und ahnten nichts von der Gewalt an unserer Mutter. Nach 1,5 Jahren konnten wir fliehen, jedoch war unsere Stadt inzwischen polnisch und wir enteignet. Also ging es für uns mit dem Zug nach Berlin-Moabit. Das bedeutete 150 km auf dem Güterzug ohne Aufbau, ohne Möglichkeit sich festzuhalten, ohne Dach oder Wände. Für uns Kinder 10 Stunden Abenteuer.

Wir galten übrigens nicht als Flüchtlinge, sondern als Heimatvertriebene, deshalb bekamen wir in Berlin keine Aufenthaltsgenehmigung. Meine Schwester (6 J.) kam mit Typhus ins Krankenhaus, meine Mutter durfte bei ihr bleiben und mein Bruder (4 J.) und ich wurden ins Münsterland verschickt. Dort lebten wir ein Jahr in einer fremden Familie, wohin Mutti und Sieglinde später nachkamen. 1948 fand uns endlich Vati, aus englischer Gefangenschaft entlassen und wir zogen in den Westerwald.

Mit 14 Jahren besuchte ich das Internat der Frauenfachschule in Osnabrück, um als Kindergärtnerin ausgebildet zu werden. Mit 17 erhielt ich eine Stelle bei der Diakonie in Bad Neuenahr, wo ich bereits am 1. Abend bei einer Feier einen jungen Mann kennenlernte, der Beginn einer lebenslangen Freundschaft und Liebe. 50 Jahre mit wenigen Tiefs, aber vielen Hochs waren wir verheiratet, bekamen zwei wundervolle Kinder. Heute habe ich drei Enkelkinder und zwei Urenkelchen.