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Pflegekräfte: Der Markt ist wie leer gefegt

Gesundheit Krankenhäuser und Einrichtungen im Kreis sind längst vom Pflegenotstand betroffen

Bessere Löhne, mehr Personal, mehr Zeit, kein Schulgeld mehr, dafür eine Ausbildungsvergütung – All das fordert Bundesfamilienministerin Franziska Giffey für den Pflegeberuf. Die Bundesregierung will mit einem groß angelegten Programm den Pflegenotstand in den Griff bekommen, von dem auch Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser im Kreis Ahrweiler stark betroffen sind. „Es ist nicht fünf vor, sondern fünf nach zwölf“, sagt eine Leiterin eines Pflegedienstes am Rhein. Sie findet schon seit zwei Jahren keine neue Fachkraft mehr, die sie in Vollzeit beschäftigen kann.

„Der Markt ist wie leer gefegt“, sagt Harald Monschau, Heimleiter von Maranatha in Bad Bodendorf.

Viele Einrichtungen im Kreis machen die gleichen Erfahrungen. Blerim Hetemi ist Pflegedirektor am Marienhaus-Klinikum im Kreis Ahrweiler mit Standorten in Burgbrohl, Bad Neuenahr und Adenau. „Grundsätzlich haben wir es schwer, Stellen rechtzeitig nachzubesetzen, wenn eine Fachkraft ausfällt“, erzählt er. Eine Stelle bleibt so drei bis sechs Monate unbesetzt. „Die Situation spitzt sich in den vergangenen fünf Jahren zu“, so Hetemi.

Gleiches berichtet auch Harald Monschau. „Wir haben ausreichend Personal, nur ist es schwer, die Ausfallzeiten von Mitarbeitern zu kompensieren. Wenn welche ausfallen und nicht ersetzt werden, schlägt sich das auf die anderen Mitarbeiter nieder.“ Im Seniorenzentrum seien deswegen 15 Mitarbeiter mehr beschäftigt, als es der Personalschlüssel vorgibt. Damit seien die Lücken besser zu schließen. „Leider ist auch unsere Einrichtung von der bundesweiten Knappheit an Pflegefachkräften betroffen“, heißt es von Esther Zimmermann, Leiterin des Johanniter-Hauses Sinzig. Das Stellenangebot ist deutlich größer als die Nachfrage. Der Pflegenotstand werde sich weiter zuspitzen, warnt Hetemi, da viele Pflegekräfte bald das Rentenalter erreichen und eine Lücke hinterlassen. Außerdem nehme die Anzahl der Pflegebedürftigen stetig zu im Gegensatz zu der Anzahl der Fachkräfte. Und Monschau gibt zu bedenken: „Im Pflegeberuf arbeiten hauptsächlich Frauen. Es kommt öfter vor, dass die Mitarbeiterinnen in Mutterschutz gehen.“ Hetemi begrüßt das Vorhaben der Politik, den Pflegenotstand in den Griff zu bekommen. „Alles, was getan wird, um die Not zu lindern, finde ich gut.“ Um den Beruf für junge Leute attraktiver zu machen, sollte seiner Meinung nach auch die Vergütung angehoben werden. Er sieht aber auch: „Die Arbeitsbedingungen wie Schichtarbeit und Nachtdienste sind für junge Leute nicht so attraktiv.“ Das hat auch Monschau bemerkt. „Altenpflege ist schön und gibt innere Selbstzufriedenheit, deswegen ist der Beruf eigentlich schon attraktiv, doch es gibt auch Probleme, wie etwa die Arbeitszeiten oder unvorhergesehene Situationen.“ Und auch Zimmermann vom Johanniter-Haus Sinzig berichtet, dass sich die Erwartungshaltung junger Menschen stark verändert haben. „Einige entscheiden sich während der Ausbildung kurzfristig für einen anderen Berufsweg.“ Die Attraktivität des Berufes hängt laut Zimmermann sehr stark mit der Wertschätzung des Berufsstandes durch die Gesellschaft zusammen. „Das sorgt bei vielen Pflegekräften für innere Motivation, und da sind wir alle gefragt, den Menschen eben diese Wertschätzung entgegenzubringen.“ Wertschätzung bedeute auch, politisch dafür Sorge zu tragen, dass Pflegende selbstbestimmt arbeiten und gestalten können, sagt Zimmermann. Einen zweiten Baustein sieht sie wie Hetemi in der Vergütung und im Personalschlüssel. „Diese bedürfen einer umfassenden Betrachtung und Neubewertung. Das Image des Pflegeberufes leidet am ständigen Bild der überlasteten Pflegekraft.“ In der Anpassung der Vergütung im Pflegeberuf sieht Monschau keine Lösung: „Wer soll das finanzieren?“ Stattdessen täte Aufklärung über den Beruf not, so der Heimleiter. Das Image müsste besser werden. In den Überlegungen der Bundesregierung fließt auch die Anwerbung ausländischer Fachkräfte für die Pflege in Deutschland ein. Hetemi sagt dazu: „Das kann nur eine Teillösung sein, da das Problem zu komplex ist, um es mit dieser Maßnahme zu lösen.“ Monschau gibt zu bedenken, dass diese Maßnahme nur funktioniere, wenn auch der bürokratische Aufwand bei der Einstellung einer ausländischen Fachkraft geringer wäre. „Das fängt schon bei der Anerkennung der Examina an.“ Wenn die Qualitätsanforderungen in Hinblick auf Fachlichkeit und Kommunikationskompetenz erfüllt werden, so Zimmermann, dann könnten sie sich durchaus vorstellen, Pflegekräfte aus dem Ausland in angemessener Zahl einzustellen. „Hier wird deutlich, dass die Politik extrem unter Druck steht.“

Quelle: Sofia Grillo, Rhein-Zeitung Ausgabe K, 25.07.2018

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